U17 Westfalenauswahl und Spielkultur auf zehntätiger Chinareise

Im Rahmen der Kooperation mit dem Fußball- und Leichtathletik- Verband Westfalen organisierte die Spielkultur für die U17 Westfalenauswahl eine zehntätige Reise nach China. Am 22. März machte sich die 24-köpfige Delegation von Düsseldorf über Zürich auf den Weg nach Peking, wo sie am 23. März chinesischer Zeit früh morgens ankam.

Tag 1 – Aktivierung in der Tempelanlage 

Nach dem Bustransfer zum Hotel in die Innenstadt hieß das Motto des ersten Tages Akklimatisierung – denn sowohl kulinarisch, kulturell als auch geographisch unterscheidet sich China sehr von der gewohnten deutschen Umgebung. Highlight des ersten Tages war die Aktivierung bei Sonnenuntergang in einer alten Tempelanlage in Peking, welche in unmittelbarer Nähe zum Mannschaftshotel liegt.

Tag 2 – Erste Trainingseinheit in Peking 

Am Morgen des zweiten Tages bestritt die Auswahlmannschaft die erste 90-minütige Trainingseinheit in Peking. Bei angenehmen 20 Grad und besten Bedingungen blieben auch viele einheimische Fußballinterssierte stehen und schauten unseren Jungs aus dem 8000 Kilometer entfernt angereisten Deutschland gespannt beim Training zu – Ein Phänomen, welches sich die Reise über noch häufiger wiederholen sollte.

Am Nachmittag ging es gemeinsam auf die größte und bekannteste Einkaufsstraße Chinas, „Wangfujing“, wo die Delegation die Gegend erkundete und von unserem Mann für China, Kevin Finster, über das Verhandeln beim Einkaufen in China aufgeklärt wurde.

Tag 3 – Ein Tag auf der Chinesischen Mauer 

Am dritten Tag wartete eines der Highlights der Reise auf die 24-köpfige Gruppe – die chinesische Mauer. Nach einer 1,5 Std. langen Busfahrt in in den Norden Pekings erstreckte sich die tausende Kilometer lange Mauer auf einer atemberaubenden Berglandschaft.

Mit einer Gondel ging es hinauf auf die Mauer, auf der die Mannschaft auf den Spuren alter chinesischer Krieger die das Land einst gegen die Mongolen beschützten eine zweistündige Erkundungstour unternahm. Daraufhin ging es auf der abenteuerlichen Rodelbahn wieder hinunter zum Besuchercenter, wo bereits der Bus auf die Gruppe wartete.

Tag 4 – Zweites Training und ein Spaziergang durch das alte Peking 

Nach dem unvergesslichen Erlebnis auf der chinesischen Mauer bestritten die Jungs am Vormittag des 26.03 die zweite Trainingseinheit.

Das Funktionsteam v. l. n. r.: Manfred Deister, René Tönnes, René Hecker, Werner Schröder, Holger Bellinghoff.

Nach dem Mittagessen ging es auf Erkundungstour durch das alte Peking. Der Kohlehügel erlaubte uns eine atemberaubende Sicht auf die verbotene Kaiserstadt, welche die Gruppe am 29.03 auch von innen besichtigen durfte.

Weiter ging es durch die traditionellen Wohngegenden Pekings, „Hutongs“ gennant. Reisführer Wang, welcher die Gruppe neben Kevin Finster von Spielkultur mit allen wichtigen Informationen über China versorgte, war an diesem Tag auch dabei und führte angeregte Unterhaltungen über Land und Leute mit den Jungs.

Tag 5 – Empfang in der deutschen Botschaft in Peking 

Am Morgen des 27. hieß es schick machen, denn ein Besuch der deutschen Botschaft in Peking stand an. Herr Jannis Pähler von der Holte, Beauftragter für die Bereiche Kultur, Sport und Jugendaustausch in der deutschen Botschaft, empfing die Delegation im Europasaal und gab spannende Einblicke in die Arbeit der Botschaft in Peking. Zudem gab er uns einen Überblick über die Entwicklung des Fußballsports in China sowie die deutsch-chinesischen Kooperationen im Bereich Fußball.

Die Delegation im Europasaal der deutschen Botschaft in Peking.

Zum Abschluss ein gemeinsames Gruppenfoto mit Herrn Pähler von der Holte (blaues Hemd) vor der deutschen Botschaft in Peking.

Tag 6 – Von der verbotenen Stadt zum Freundschaftsspiel gegen die U19 von Beijing Enterprises Group FC 

Vor dem ersten Freundschaftsspiel der diesjährigen Chinareise ging es für die Gruppe am Vormittag des 28. zuerst in die verbotene Kaiserstadt, welche Ihren Namen daher erlangte, dass zur damaligen Zeit nur der chinesische Kaiser und sein Gefolge Zutritt zu diesem Teil Pekings hatten.

 René Tönnes (l.) und Werner Schröder (r.) passend in gelb, der Farbe die zu Kaiserzeiten nur der Kaiser von China tragen durfte. Im Hintergrund der Eingang zur verbotenen Stadt mit dem Bild des Gründers der VR China, Mao Zedong.

Für das Spiel am Nachmittag ging es zum Beijing Enterprises Group Football Club. Die erste Mannschaft des Vereins wird vom ehemaligen Bundesligaprofi Chen Yang (ehemals Eintracht Frankfurt) geleitet.

Nach hart umkämpften ersten 25 Minuten konnte die U17 Westfalenauswahl zum 1:0 Pausenstand treffen, bevor die Auswahlmannschaft mit zwei weiteren Treffern in den zweiten 40 Minuten das Spiel für sich entschied.

Am Abend wurde der Tag im deutschen Restaurant „Brotzeit“ ausgeklungen. Offensichtlich fand man Gefallen am Trikot der Jungs, welches prompt einen Ehrenplatz an der Wand des Restaurants gefunden hat.

Tag 7 – Klarer Sieg gegen chinesische U17 

Nach einem eher ruhigen Vormittag zur Erholung bestritt die Mannschaft am Nachmittag ihr zweites Testspiel gegen die U17 von Beijing Enterprises Group Football Club.

Vom körperlichen bis zum taktischen war die die U17 Westfalenauswahl klar überlegen und konnte so eine klaren 9:0 Sieg einfahren.

Tag 8 – Spaß auf der Achterbahn 

Am achten Tag unserer Reise ging es ins „Happy Valley“, den größten Freizeitpark Chinas  – natürlich ein weiteres Highlight für die Jungs und ein verdienter Programmpunkt nach zwei anstrengenden Spielen an den Tagen zuvor.

Tag 9 – Ein letztes Training, ein Stadionbesuch und Begegnungen mit chinesischen Fans 

Die letzte Trainingseinheit in Peking, erneut bei hervorragendem Wetter.

Am Abend schaute sich die Auswahl ein Spiel der Pekinger Mannschaft Peking Guoan an (Cheftrainer dort ist Roger Schmidt). Mit 4:0 entschied er das erste Pekinger Stadtderby der Geschichte der chinesischen Super League klar für sich.

Zum Abschluss ging es nach dem Spiel in die anliegende Sportsbar, wo sich chinesische Fans vom FC Bayern München und Borussia Dortmund bereits auf das Abendspiel der Bundesliga vorbereiteten, welches um 00:30 Uhr chinesischer Zeit übertragen wurde. Die chinesischen Fans tauschten sich fleißig mit den Jungs aus, weshalb die Reise auch in Bezug auf die Völkerverständigung zwischen beiden Ländern als ein voller Erfolg bezeichnet werden.

Spielkultur bedankt sich für das Vertrauen und die hervorragende Zusammenarbeit mit allen Beteiligten, dem FLVW, dem Funktionsteam, den Spielern sowie den chinesischen Partnern vor Ort. 

 

 

 

 

 

 

 

 

China, Mutterland des Fußballs!?

Der Ursprung des Fußballsports liegt in China.

So oder ähnlich formulierte es 2004 die FIFA, welche in Person von Joseph Blatter bei einem Besuch in China den Engländern kurzerhand den Status als Mutterland des Fußballs wegnahm.

Um dieser „Tatsache“ Nachdruck zu verleihen, entschloss man sich auf chinesischer Seite dazu, das „Linzi Football Musuem“ zu errichten und Fußballfans weltweit die Möglichkeit zu geben, die Wiege des Fußballs auch persönlich zu begutachten.

Die Stadt Linzi liegt in der Provinz Shandong (100 Millionen Einwohner), circa 130 Kilometer von der Stadt Jinan entfernt, Heimatstadt des Super League Clubs „Shandong Luneng“, dem ehemaligen Verein von Felix Magath in China.

„Cuju“ –  Fußball im alten China 

Das Wort „Cuju“ ist aus der modernen Chinesischen Sprache längst verschwunden, bedeutete aber in der damaligen Zeit so etwas wie „Ball treten“.

Überliefert seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. war „Cuju“ damals in der Han-Dynastie eine beliebte Sportart unter Soldaten. Nachdem sich das Spiel in den kommenden Jahrhunderten auch in der breiten Bevölkerung immer beliebter wurde und sowohl aktiv als auch passiv konsumiert wurde, verschwand der Fußball für lange Zeit.

Grund dafür war die höhere Gewichtung von intellektuellen Künsten gegenüber körperlichen Künsten, zu der das „Cuju“- Spiel damals galt.

Vor diesem Hintergrund ergibt die Behauptung, China sei das Mutterland des Fußballs durchaus Sinn.

Und dann waren es doch die Engländer 

Der moderne Fußball, so wir wir ihn schätzen und lieben gelernt haben, wurde jedoch erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts von den Briten in China eingeführt.

Diese hatten zuvor im Jahr 1863 die FA (Football Association) gegründet.

Von den mit vielen europäischen Einwohnern besiedelten Großstädten Chinas verbreitete sich der Sport dann auch ins Landesinnere, konnte sich jedoch aufgrund zahlreicher Kriege und politischer Umwälzungen nie zum Nationalsport Chinas entwickeln.

Mit tatkräftiger Unterstützung der Regierung, einer großen Masse an Fans, Sympathisanten und aktiven Spielern (und natürlich auch der spielkultur) ist China nun erneut bestrebt, den beliebtesten Sport der Welt bis in alle Ecke des Landes zu verbreiten und zu einer „Fußballnation“ aufzusteigen.